Feminine Food | Die Frau, der Zyklus und die Steinzeit.
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Die Frau, der Zyklus und die Steinzeit.

Gibt es die „klassische“ oder eher altertümliche Rollenverteilung schon immer? Hat die Frau schon immer weniger Einfluss in der Gesellschaft gehabt? Der Mann Ernährer, die Frau zuhause und mit Haushalt beschäftigt? Wie war es in der Steinzeit?

 

In meinem ersten Blogbeitrag möchte ich dieses Thema in der Steinzeit betrachten. Es gibt sicher noch sehr viel mehr zu erlesen und zu erzählen. Diese Dinge haben mich aber ein wenig überrascht aber auch gleichzeitig sehr erfreut, da man weiß, dass das jetzige Weltbild und das Patriachart relativ jung ist. Es zeigt mir auch, dass es eine Zeit gegeben hat, in der die Frau das Zentrum eines Kreislaufes war, welcher in Harmonie mit der Natur und der Erde war. Eine schöne Vorstellung. Es war ein Kreislauf, den man sich nur wünschen kann, wenn man(n) bedenkt, dass dieser Kreislauf der Ursprung unser aller Leben ist. Meiner Meinung nach sollte die Frau wieder als gottgleich angesehen werden. Die schöpferische Gabe ist ja nicht zu übersehen.

 

Tatsächlich haben Forscher herausgefunden, dass in der Jungsteinzeit eine Götting verehrt wurde. In der Zeit vor der Entstehung der Ein-Gott-Religionen wird sogar ein Matriarchat beschrieben.

 

Zwei unabhängige Forscherteams haben Handabdrücke bei Malereien in Höhlen analysiert und interessanterweise hat man herausgefunden, dass ca. dreiviertel davon weiblich waren.

Daraus kann man auch schließen, dass Frauen bei der Jagd immer dabei gewesen sind, da die Malereien hauptsächlich detaillierte Tiere zeigen. Im Salzbergwerk in Hallstadt (Österreich) wurden Grabfelder gefunden, die anhand der Skelette zeigen, dass Frau, Mann und Kind am Abbau beteiligt waren. Das heißt dann auch, dass damals Frauen an heutigen „männlichen“ Arbeiten ständig teilgenommen haben.

 

In Mykenä, einer der frühesten Kultstätten der Muttergöttin Demeter wurden Kuppelgräber gefunden, die dreieckige Eingänge besitzen. „De“ heißt Delta oder Dreieck und symbolisiert das weibliche Geschlechtsorgan, „meter“ bedeutet Mutter.

Die Farbe Rot spielte bei Malereien, in der Architektur und bei Figuren eine große Rolle. Eingangspforten wurden rot bestrichen, rote Erde wurde für Höhlenmalereien verwendet. Man vermutet auch, dass auch Menstrualblut zur Bemalung verwendet wurde, da bei den Fundstellen keine rote Erde gefunden wurde.

 

Die Spiritualität hatte einen immensen Einfluss. Man richtete sich nach einem Zyklus. Ein Zyklus der sich an die Natur bindet und vereint ist. Die große Göttin wurde in der Natur, in der Fruchtbarkeit der Erde sowie in der Fruchtbarkeit der Frau und in allem Lebendigen verehrt. Frauen waren aufgrund ihrer körperlichen Rhythmen eng mit den Rhythmen der Natur verbunden.

 

Die Autorin Jutta Voss schrieb von Mythen in ihrem Buch „Das Schwarzmond Tabu“ vom „(…) roten Meer, zu dem Lilith floh, um allein zu leben, nachdem sie Adam verließ.“ Sie schreibt vom „(…) roten Fluß Styx, der sich siebenmal durch das Innere der Erde windet und in der Nähe der Stadt Clitor (große Ähnlichkeit mit Clitoris) aus der Erde herauskommt (…)“

 

Es gibt Hinweise auf kultischen und rituellen Umgang mit der Menstruation. Die Menschen schufen Plätze, wie Steinkreise oder Brunnen, an denen sie die Naturzyklen kultisch feierten.

 

Das matriarchale Weltbild entstand aus den vielen ineinandergreifenden Zyklen. Der Kosmos mit seinen zyklischen Bahnen und Ordnungen, der Mond, der Wasserkreislauf, die Jahreszeiten, die zyklische Göttin und schließlich der Menstruationszyklus der Frau waren miteinander sehr eng verwoben. Es ist ein Weltbild, in dem alles im Fluss ist und immer wiederkehrt. Nach Voss bedeutet Gesundheit, sich einzubetten in diese Rhythmen, die konkret in der Gebärmutter erfahrbar und leiblich nachvollziehbar seien.

Durch seine zyklischen Veränderungen wurde der Mond seit jeher mit der Menstruation in Verbindung gebracht. Die Mondgöttin wurde in vielen Kulturen als die große Schöpferin verehrt.

 

Das Wort Menstruation und das Wort Mond haben beide dieselben Wortwurzeln, nämlich Monat und Maß oder messen (Etymologisches Wörterbuch des Deutschen 1999, 862 u. 885).

 

Durch die Beobachtung von Menstruation, Mond und Himmel entstanden nicht nur Astrologie und Mathematik, sondern auch der Mondkalender, der im 16. Jh. von der Kirche verboten wurde. Nach dem Mondkalender besteht das Jahr aus 13 Monaten im 28-Tage-Zyklus, eben wie die Menstruation.

 

Die Zusammenhänge des weiblichen Zyklus mit der Natur sind auch in der „dreifältigen Göttin“ verkörpert, die als Ur-Göttin in der Frühgeschichte vielfach verehrt wurde. In archaischen Mythen repräsentieren die drei Aspekte der großen Göttin die drei Phasen des weiblichen Lebens. Die erste Phase ist die der jungen Frau, auch Jungfrau genannt, die bis zur ersten Menstruation dauert. Die zweite Phase ist die der fruchtbaren Frau, sie dauert bis zu den Wechseljahren. Die dritte Phase ist die der alten Frau, sie dauert von den Wechseljahren bis zum Tod.

 

Zur Rollenverteilung: Nachdem aus dieser Zeit keine Schriftstücke erhalten geblieben sind, zeigt sich, dass die Frau bzw. ihr Zyklus ein Kreislauf von unglaublicher Bedeutung gewesen ist. Das Verhältnis von Frau zu Mann kann man nicht wirklich rekonstruieren, da keine Schriftstücke vorhanden sind. Man kann aber sagen, dass die damalige Zeit nicht viel gemeinsam mit der heutigen Zeit gehabt hat.

 

Abschließend kommen immer mehr Fragen auf: Wann hat sich das Patriachart entwickelt? Warum ist es aufgekommen? Hat es ein spezielles Ereignis gegeben? Ist damit Krieg, Tod und Herrschaft gekommen? Wieso ist die Menstruation generell aus den Augen verloren worden oder in andere Schubladen geschoben worden?

 

Und zum Schluss meines ersten Blogposts: Danke euch Frauen!

Lukas 

 

 

Quellen:

Vielen lieben Dank an Dr. Gabriele Pröll, die einen Großteil der Informationen bereitgestellt hat: gabrieleproell.at / Pröll, 2004 – “Das Geheimnis der Menstruation” (Quellen aus ihrem Text: Voss, 1988 – Göttner-Abendroth, 1995 – Gimbutas, 1998)

Weitere Quellen:
http://www.deutschlandfunkkultur.de/geschlechterrollen-forscher-entzaubern-die-steinzeit.976.de.html?dram:article_id=342902