Feminine Food | MÄDCHEN von HEUTE | Girls’Day International 2018
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MÄDCHEN von HEUTE | Girls’Day International 2018

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Haben Buben die gleiche Ausgangsposition wie Mädchen? Sind junge Frauen ihrem männlichen Pendant gegenüber gleichberechtigt? Gleichberechtigung. Für viele ein ausgelutschtes Wort. Und weshalb soll Feminismus denn eigentlich wichtig sein? 

Als ich 22 Jahre alt war, besuchte ich meine Großmutter im Spital. Sie bekam gerade eine von schier unendlich vielen Chemotherapien gegen ihren Eierstockkrebs. Sie war eine bewundernswerte Frau. Stark. Mutig. Bot jeder noch so schlimmen Situation die Stirn. Sie saß in ihrem Krankenzimmer, lachte und scherzte während das flüssige Gift in ihre Adern floss. Das war sie. Eine Bäuerin aus ärmlichen Verhältnissen. Neben der harten Arbeit an etwas Ackergrund und Viehzucht musste sie nicht nur vier Kinder alleine großziehen, sondern auch ihre alten Eltern am Hof mitversorgen. Das hieß, kochen, putzen, Wäsche waschen, Kühe melken, Schweine schlachten, Hähnchen rupfen und am Feld harte Arbeit verrichten. Alles mit ihren bloßen Händen. Ihr Mann war schwerer Alkoholiker, und leider auch gewalttätig. Jegliches Geld, das meine Großmutter verdiente, gab er aus. Für Alkohol. Und für Autos, welche damals sehr viel Geld kosteten, nur um die meisten davon wenige Zeit später im Rausch zu verschrotten. Nicht nur einmal hat mein Großvater meine geliebte Oma geschlagen, ihr sogar einmal die Nase gebrochen. Die staatliche Kinderbeihilfe wurde an meinen Großvater ausbezahlt. Das war damals gang und gebe, denn mein Opa war schließlich Familienoberhaupt. Dass er aber auch dieses Geld ins Wirtshaus trug, anstatt die Familie damit zu unterstützen, war Vater Staat egal. Die Beziehung aufzulösen war zu dieser Zeit für meine Oma und viele andere Frauen in vielerlei Hinsicht undenkbar, speziell in einem kleinen Bauerndorf mit 80 Einwohnern und ohne Geld. 

Emanzipation (Bedeutung Duden) 

Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Selbstständigkeit; Gleichstellung
rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung [der Frau mit dem Mann] 

Als meine Großmutter also im Krankenbett saß, erzählte sie mir ihre alten Geschichten, aber nicht weinend oder traurig, sondern mit einer so humorvollen Art, dass man einfach mit ihr über die Tragik ihres Lebens lachen musste. Erst zu diesem Zeitpunkt verstand ich, wie wichtig die Emanzipation war für Frauen und unsere Gesellschaft war! Machen wir einen Blick auf die Errungenschaften der Emanzipation in den letzten 120 Jahren in Österreich… 

 

1897  

Erstmals werden Frauen als ordentliche Hörerinnen zugelassen. Die philosophische Fakultät macht den Anfang. Erst später folgen andere Universitäten. 

 1918  

In Österreich dürfen Frauen durch das allgemeine Wahlrecht wählen.  

 1970  

Aufwertung der Stellung des unehelichen Kindes. 

 1975  

Legalisierung und Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs bis zum dritten Schwangerschaftsmonat. 

Gleichstellung von Mann und Frau durch die Familienrechtsreform. Ab nun dürfen Frauen ohne die Zustimmung des Mannes arbeiten, über den Wohnsitz mitentscheiden und den Familiennamen frei wählen.  

 1977 

Erhöhung des Karenzgeldes, Einführung des Mutter-Kind-Passes, Verlängerung des Mutterschutzes und eine einwöchige Pflegefreistellung werden durch die Sozialreform zugunsten der Mütter beschlossen. 

 1978  

Die „väterliche Gewalt“ wird abgeschafft. Das Ehegattenerbrecht, Ehegüterrecht und das Ehescheidungsrecht werden geändert.  

 1989  

Gleichstellung unverheirateter Mütter gegenüber verheirateten. Ab jetzt haben unverheiratete Mütter die Vormundschaft für ihr Kind. Bis dahin war die Bezirksverwaltungsbehörde automatisch Amtsvormund für das Neugeborene. Mütter mussten einen Antrag stellen, um die Vormundschaft für ihr Kind zu bekommen. 

Vergewaltigungen und geschlechtliche Nötigung in der Ehe und in Lebensgemeinschaften werden dank der Sexualstrafrechtsreform strafbar. 

 1990 

Durch das bäuerliche Höferecht sind Geschlecht und Status eines Kindes für die Übernahme eines Erbhofes nicht mehr ausschlaggebend. Dadurch wird die Diskriminierung von Töchtern und unehelichen Kindern abgeschafft.  

 1993  

Diskriminierung, sexuelle und allgemeine Belästigung am Arbeitsplatz werden durch das Gleichbehandlungsgesetz strafbar. 

 1997  

664.977 Menschen unterschreiben das Frauenvolksbegehren, welches unter anderem den Schwerpunkt “Gleicher Lohn für gleiche Arbeit” hat. 

 1998 

Die österreichische Bundesverfassung nimmt das ausdrückliche Bekenntnis zur Gleichstellung von Frauen und Männern als neuen Bestandteil auf.  

 1999  

Das Ehegesetz integriert die partnerschaftliche Teilung der Versorgungsarbeit.  

 

Diese Zahlen und Daten beziehen sich auf Österreich. Leider sind diese Meilensteine in vielen anderen Ländern heute immer noch nicht annähernd Realität. In Österreich sind dank dem Einsatz vieler Menschen 2018 Frauen Männern gleichgestellt oder sollten dies zumindest sein. Heute bekommen in erster Linie Mütter das Kinderbetreuungsgeld, nicht wie zur Zeit meiner Großmutter und Mutter die Väter. Mädchen und Frauen haben heute die Möglichkeit zu studieren. Sie dürfen wählen und somit aktiv zur Demokratie beitragen. Die Gehälter von Mann und Frau sind zwar immer noch nicht auf demselben Niveau, jedoch nähern sie sich langsam einander an.  

 

Feminismus (Bedeutung Duden) 

Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (z.B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt. 

 

Durch die Emanzipation haben sich Frauen auch sexuell befreit. Nicht zuletzt war dies der Pille zu verdanken, da Frauen mittels der leistbaren und zugänglichen Verhütung durch Sex nicht mehr so leicht schwanger wurden. Klar, Medien benutzen Frauen immer noch als nacktes oder spärlich bekleidetes Sexsymbol in lasziven Posen um ihren Absatz zu steigern. Sie retuschieren dabei angebliche Makel wie Cellulite, Muttermale, Speckröllchen oder Schwangerschaftsstreifen. Die Weiblichkeit in ihrer Einzigartigkeit bleibt dabei viel zu oft auf der Strecke. An dieser Stelle sei erwähnt:  ja, Frauen werden sexualisiert. ABER, Frauen haben auch ein Recht auf Sexualität. Frauen dürfen IHRE Sexualität und IHRE Weiblichkeit leben. Sie dürfen sich sinnlich fühlen und verführen. Das hat der Feminismus mit sich gebracht! Die Freiheit, den eigenen Bedürfnissen nachzugehen und diese auch zu leben. Ohne sich dabei für sie zu schämen oder dafür von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden.  

Das weibliche Selbstbewusstsein und das Wissen um die eigenen Rechte ist nicht zuletzt der (Schul-)Bildung zu verdanken. Seit 1897 dürfen Mädchen höhere Schulen besuchen. Nicht in das Rollenklischee gedrängt zu werden – welches Mädchen z.B. vorgibt die Handarbeitsstunde zu besuchen und Buben den Geometrieunterricht – das ist jedoch erst viele Jahrzehnte später passiert. Mittlerweile dürfen verheiratete Frauen ohne die Erlaubnis ihres Mannes arbeiten und Mädchen können ihrem eigenen Berufswunsch nachgehen.  

 

Die Initiative GirlsDay International 

Am diesjährigen Girl’s Day, der am 26. April stattfindet, können Schülerinnen ab 6 Jahren speziell in jene Branchen hinein schnuppern, die eher Männerdomänen sind. Betriebe, Unternehmen, Hochschulen und Ministerien öffnen dafür ihre Türen. „Die Mädchen lernen dort Ausbildungsberufe und Studiengänge in IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik kennen, in denen Frauen bisher eher selten vertreten sind. Oder sie begegnen weiblichen Vorbildern in Führungspositionen aus Wirtschaft und Politik.“, so heißt es auf der Website des österreichischen Bundesministeriums.  

Diese und ähnliche Aktionen finden bereits in über 20 Ländern statt. Österreich, Belgien, Estland, Frankreich, Italien, Kosovo, Luxemburg, Liechtenstein, Niederlande, Norwegen, Deutschland, Polen, Schweiz, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn unterstützen bereits Mädchen auf ihrem Weg der Berufsfindung. In Asien hat in Kirgistan, Japan, Südkorea und im Libanon die Initiative Girls’Day Anklang gefunden. Seit 2014 ist auch Äthiopien ein Teil der Aktion, sowie Ägypten seit 2016. Denn Mädchen – so wie Burschen – sollten ihren wirklichen Bedürfnissen, Wünschen und Zielen nachgehen können und ihr Leben so gestalten können, wie es sich für sie richtig anfühlt!  

 

Ich denke, man braucht nicht lange zu überlegen und sieht, wie wichtig die Emanzipation für unsere Gesellschaft war und immer noch ist. Wir sind alle Menschen. Wir haben alle die gleichen Chancen verdient, egal ob Mann oder Frau. Wir sollten unsere individuellen Stärken zugunsten der Gesellschaft einsetzen dürfen und können. Somit gibt es glücklichere Menschen und eine glücklichere und gesündere Gesellschaft! 

 

In Verbundenheit, 

Denise 

 

 

Quellen: 

https://kurier.at/politik/meilensteine-fuer-frauen-in-oesterreich/822.591 

 https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/0/2/0/CH3434/CMS1466406589664/factsheet_150_jahre_frauenrechte.pdf 

 https://www.demokratiewebstatt.at/angekommen-demokratie-und-sprache-ueben/frauenrechte-und-gleichberechtigung-in-oesterreich/ 

 https://www.bmgf.gv.at/home/Girls_Day/ 

 https://www.girls-day.de/Daten-Fakten/Das-ist-der-Girls-Day/International 

 https://www.duden.de