Feminine Food | Die Menstruationstasse | wie wir sie sehen
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Die Menstruationstasse | wie wir sie sehen

Die Menstruation ist auch 2019 noch ein Tabuthema, obwohl wir alle durch den Zyklus der Frau entstanden sind. Und dementsprechend ist auch die Menstruationshygiene so alt wie die Menschheit selbst. Doch offensichtlich löst genau dieses Thema großen Ekel bei Mann und Frau aus.

Denn seit kurzem hat in Österreich die Diskontkette Hofer ihre eigene Menstruationstasse „Olivia“ ins Sortiment gebracht. „Wow, was für ein Fortschritt!“, denke ich bei mir und freue mich grenzenlos über diesen tollen Artikel. Denn so haben viel mehr Mädchen und Frauen Zugang zu einem nachhaltigen, gesunden Hygieneartikel, den sie unkompliziert und günstig kaufen können. Ebenso gewöhnt man sich an den Gedanken, dass Frauen eine Menstruationstasse verwenden.

Doch ein Artikel im Standard.at öffnet mir die Augen: Hassposting von „ekelhaft“ über „igitt“ bis hin zu „Der Hofer entblödet sich nicht auch schon solche Dinge anzubieten. Als nächstes gibt’s auch die Viagra“ finden sich unter dem social media post von „Olivia“. Okay… spannend. Es gibt also noch sehr viel Aufklärungsbedarf! Hier also meine Lieben, ich erzähle euch jetzt mehr darüber!

Von damals bis heute

Die erste Menstruationstasse wurde bereits im Jahr 1937 erfunden und patentiert! Die amerikanische Künstlerin Leona Chalmers hat damals – anders als heute – ein relativ unformbares Material verwendet. Dies erschwerte das Einsetzen und die gesamte Anwendung des Cups. Mittlerweile werden Menstruationstassen vorwiegend aus medizinischem Silikon hergestellt. Vereinzelt gibt es auch noch Wegwerftassen. Diese sind mehr oder minder ein Überbleibsel aus dem 20. Jahrhundert, denn das zunehmende Bewusstsein für Nachhaltigkeit und eine saubere Umwelt nimmt stetig zu.  Ganz andere Themen, mit denen Hersteller bis heute zu kämpfen haben, wie man gut am Hofer Beispiel sieht, sind nämlich:

  • der weibliche Körper
  • die weibliche Sexualität und
  • die Menstruationsblutung

Speziell letzteres ist selbst heute noch ein großes Tabu.

Die Tasse kann man in verschiedenen Varianten falten, um sie gut in den Vaginalschlauch einzuführen. Dabei kann man stehen, hocken oder sitzen. Vor dem Muttermund „ploppt“ die Menstruationstasse auf und erzeugt somit ein sanftes Vakuum. So kann der Cup ohne verrutschen das Menstruationsblut auffangen. Je nach Größe passen 8 – 35 ml Blut in eine Tasse. Zum Vergleich: das Fassungsvermögen von Tampons liegt je nach Größe zwischen 5,5 ml und 17 ml Blut.

In herkömmlichen Tampons können sich oftmals Schadstoffe aus industrieller Landwirtschaft und Verarbeitung befinden. Kommt der Tampon mit der empfindlichen Scheidenschleimhaut in Kontakt, nimmt diese die Giftstoffe auf. Lokale Reizungen, trockene Scheide, Neigung zu Pilzinfektionen, Zyklusbeschwerden und –unregelmäßigkeiten, TSS, etc. können Folgen von Tampongebrauch sein. Die Menstrutationstasse im Gegenzug schadet durch ihr medizinisches Silikon der Scheidenschleimhaut im Normalfall nicht.

Zumeist bieten Menstruationstassen Hersteller 2-3 verfügbare Größen in ihrem Sortiment an. Diese sollten nach Stärke der Monatsblutung, Alter der Frau und vorangegangener Geburt ausgesucht werden.

Während des Tragens kann man jeglicher Aktivität nachgehen, nach der man sich fühlt. Spürbar sollte der Cup nicht sein. Die Beschaffenheit der Beckenbodenmuskulatur spielt bei der Auswahl des Härtegrades die wichtigste Rolle. Je fester der Beckenboden ist, zB wegen körperlicher Fitness, desto fester sollte auch die Tasse sein. So kann sie nach dem Einführen noch gut aufploppen. Besonders weiche Menstruationstassen eigenen sich für Frauen, die eine schwache Beckenbodenmuskulatur haben oder gerade ein Kind geboren haben. Der meist verkaufte Cup wird aus mittelweichem Material hergestellt. Dabei sollte man beachten, dass es schwieriger ist, eine weiche Tasse anzuwenden als eine harte, da sich das weiche Material sehr gut verbiegen lässt und eventuell das Aufpoppen des Cups erschwert wird.

Das Wechseln kann man gerne im „trockenen“ Zustand üben, also wenn man nicht menstruiert. Dabei darf auch gerne ein Gleitgel verwendet werden. So ist das Einsetzen während der Regelblutung entspannter. Die Menstruationstasse kann, je nach Stärke der Blutung, bis zu 8-12 Stunden verwendet werden. Zum Rausziehen wird am weichen Steg gezogen, bis die Tasse mit den Fingern erreichbar ist. Dieser Steg kann nach Tiefe des Muttermundes gekürzt werden. Nach dem Entleeren der Tasse wird diese lediglich mit warmen Wasser und etwas milder Seife gereinigt. Wenn man gerade unterwegs ist und kein Wasser zum Abwaschen zur Verfügung steht, genügt es, sie mit etwas Klopapier zu reinigen und beim nächsten Wechsel wieder zu waschen. Nach jeder Periode wird der Cup für 3-5 Minuten abgekocht und in seinem Stoffsäckchen verwahrt.

Durchschnittlich kostet eine Menstruationstasse um die € 20,-. „Olivia“ (von Hofer) kostet € 8,99 pro Tasse. Kommerzielle Vielfalt und Leistbarkeit sind ganz wichtige Schritte in eine unabhängige, aufgeklärte Welt.

Ich verwende seit der Geburt meines Sohnes eine Menstruationstasse von Organicup. Wenn man einmal den Dreh für sich herausgefunden hat, gelingt das Einsetzen und Wechseln im Handumdrehen. Ich liebe meine Menstruationstasse und würde sie nicht mehr missen wollen. Außerdem bin ich ein riesengroßer Fan von Rubycup. Kaufst du dir dort eine Tasse, wird eine weitere an ein Mädchen in einem Entwicklungsland gespendet! Frauen helfen Frauen. Was für ein tolles Unternehmen…

Wenn ich meine Menstruationstasse wechsle, schaut mein eineinhalb jähriger Sohn ab und an interessiert zu. Ich erkläre ihm dann, dass ich die Tasse für meine Menstruationsblutung verwende, ich wie jede Frau einmal im Monat blute, ich aber nicht verletzt bin und keine Schmerzen habe. Das ist dann auch voll ok für ihn und er geht wieder. Normalität, was den weiblichen Körper anbelangt. Ich möchte, dass es für ihn selbstverständlich ist, dass Mädchen und Frauen bluten und es wunderbare Möglichkeiten gibt, damit die Blutung für jede Frau als angenehm und nicht als Last empfunden wird. Ich möchte, dass er einmal der Mann wird, der dem weiblichen Körper völlig frei von Vorurteilen der Unreinheit, des Ekels oder der Scham begegnen kann und somit die Frau und ihre Blutung als Teil des Lebens und der Fortpflanzung wertschätzt.

In Verbundenheit,

Denise